Medica

searching

Was Altern, Walten und Gewalt miteinander zu tun haben   

Am 28. April 2010 führte der AKF erstmals in Kooperation mit dem Katholischen Frauenbund Aarau (KFA) eine Bildungsveranstaltung durch – Vortragsabend mit Apéro.

Aarau
AarauAarauAarau

Dreissig Frauen und ein Mann interessierten sich für das Thema Altern und Gewalt. Andrea Jäckle, Sozialarbeiterin und Theologin, ging der Frage nach, wie alte Menschen und pflegende Angehörige trotz schwersten Lebensbedingungen im Gleichgewicht bleiben können. Sie fand eine Antwort bei Aaron Antonovsky, einem amerikanischen Medizinsoziologen, der sich intensiv mit  dem Gesundbleiben trotz widrigen Umständen befasste.

Damit ich im Alter „schalten und walten“ kann, so Andrea Jäckle, bedarf es guter persönlicher Vorbereitung. Wichtig sind nützliche Strategien, damit es zu keiner Überforderung, Erschöpfung kommt, die in einen eskalierenden Konflikt mündet. Zur persönlichen Vorbereitung gehört im Alter, dass man immer wieder die eigene Situation überprüft. Man muss Mittel kennen und brauchen, um Einschränkungen zu handhaben. Wer seine Situation klar einschätzt, fühlt sich sicherer und nicht der Willkür anderer ausgesetzt. Konflikte gehören zum Leben und Schwierigkeiten sind lösbar. Wer in seinem Leben einen Sinn sieht, trotz Beschränkungen, fühlt sich gehalten. Das persönliche Engagement für Menschen oder eine gute Sache gibt das Gefühl wertvoll und nützlich zu sein und ist das beste Mittel gegen Gefühle von Sinnlosigkeit.

Andrea Jäckle empfiehlt das Altern zu gestalten. Das beinhaltet Vorbeugen, Integration und Aktivität. Mit Vorbeugen meint sie, „am Leben“ teilnehmen, sich informieren und gegebenenfalls nötige Schritte einleiten, Unterstützung organisieren. Integration bedeutet sein soziales Umfeld pflegen: „Ich brauche den Anderen - die Anderen brauchen mich“. Aktivität im Alter umfasst alle Sinne, sich geistig und körperlich bewegen, Interessen und Beziehungen pflegen.

Gewaltfrei leben ist eine Utopie, so Andrea Jäckle, jeder Mensch übt irgendwie Gewalt aus. Wichtig ist die innere Balance, sie ist wie ein Tisch mit fünf Beinen. Wenn Beine fehlen kippt das Selbstvertrauen, die Selbstbeherrschung. Die fünf Beine die stützen sind: Gesundheit, sinnvolle Beschäftigung, Beziehungen, Wohnen, Finanzen/Sicherheit. Fallen 1 - 2 „Beine“ weg, verliert der Mensch sein Gleichgewicht und es kommt zu „Ausschlägen“.

Ca. 5 - 10% der alten Menschen machen Erfahrungen mit Gewalt. Alte haben mehr Krisenerfahrung als Junge und mehr positive Erfahrungen im Lösen von Konflikten. Das ist ein wichtiger positiver Aspekt des Alters! Um Gewalt und Überforderung in schwierigen Situationen im Alter zu vermeiden, ist eine offene Haltung von allen Beteiligten wichtig, damit Bedürfnisse, Gefühle achtsam ausgetauscht werden und Lösungen gefunden werden, die für alle stimmen.

Der anschliessende feine Apéro, liebevoll gestaltet vom Katholischen Frauenbund Aarau, gab Raum für Genuss und Pflege von Beziehungen. Herzlichen Dank allen guten Geistern, die mitgeholfen haben!

Vreni Casagrande


Römisch-Katholische Kirche im Aargau